Tieck und Solger. Zwei Namen und ihre intellektuellen Genealogien

Résumé : Einerseits Ludwig Tieck, der Märchen- und Novellenautor, Shakespeare-Kenner und Bühnentheoretiker. Andererseits Karl Solger, ein idealistischer Philosoph, der in der Regel mit allen drei Vornamen genannt wird, Karl Wilhelm Ferdinand, obwohl er immer nur mit dem ersten unterschrieb, Philosoph zwischen den Stühlen von Riesen und Sophokles-Übersetzer. Es gibt viele Gründe, warum diese zwei Menschen und ihre umtriebige Freundschaft zwischen 1812 und Solgers Tod 1819 als romantisches Faszinosum fungieren können. Einige Gründe werden wir im ersten Teil dieses Aufsatzes systematisch darstellen. So in sich geschlossen die Beziehung zwischen Tieck und Solger ist, sie bezieht auch den sie umgebenden Kontext auf zahlreichen Ebenen des Brief- und Schrifttextes mit ein. Vieles lässt sich nur unter Berücksichtigung eines Nexus von Beziehungen nachvollziehen, in dem die den Ruf der zentralen Person (hier Tieck oder Solger) tragenden Instanzen eine Schlüsselrolle spielen, die noch der Definition, Verortung und hermeneutischer Operationalisierung bedarf. In diesen Seiten geht es in diesem Sinne um den Niederschlag des Erbes in den Schriften und in den Personen: Wie trägt das Zusammenspiel von menschlichem und schriftlichem Erbe zur Konstruktion einer intellektuellen Identität zu Lebzeiten und darüber hinaus bei? Welche Rolle spielen dabei Vermittlungsinstanzen außerhalb des dualen Mikrokosmos, die doch eine nähere Verwandtschaft aufweisen als die breitere Öffentlichkeit? Von besonderem Interesse für die hiesige Analyse ist, wie die Einbettung dieser intellektuellen Genealogien nicht nur kulturhistorisch, sondern auch für das Verständnis des Schaffensprozesses bei beiden Hauptprotagonisten Neues erschließen kann. Die Frage, der im dritten und letzten Teil dieses Beitrags nachgegangen wird, ist die nach der Methodik der Erforschung von intellektuellen Genealogien. Um die Interaktion von Werken und Autoren in einem gegebenen Kontext zu verstehen, lohnt es sich, es nicht bei einer Fallstudie zu belassen, sondern Vergleichselemente heranzuziehen und die methodischen Bedingungen für die Fruchtbarmachung des Vergleichs zu schaffen. Es wird die digitale Methodik vorgestellt, die im Rahmen der Nachwuchsgruppe „Berliner Intellektuelle 1800–1830” zu diesem Zweck entwickelt wurde. Argumentiert wird vorrangig aufgrund der besonders gut geeigneten Nachlass-Struktur am Boeckh-Korpus, wobei es mit diesem methodischen Vorstoß darum geht, Ansätze für die Entwicklung der Tieck-Forschung zu formulieren.
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Achim Hölter & Walter Schmitz. Konferenzband der ersten und zweiten Tagungen der Tieck-Gesellschaft , 2016
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Contributeur : Anne Baillot <>
Soumis le : samedi 19 mars 2016 - 13:37:24
Dernière modification le : jeudi 11 janvier 2018 - 06:22:29
Document(s) archivé(s) le : lundi 20 juin 2016 - 12:19:41

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Anne Baillot, Sophia Zeil. Tieck und Solger. Zwei Namen und ihre intellektuellen Genealogien. Achim Hölter & Walter Schmitz. Konferenzband der ersten und zweiten Tagungen der Tieck-Gesellschaft , 2016. 〈halshs-01277669v2〉

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