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Conference papers

Diskontinuierliche Komposita aus terminologischer Sicht: Wort vs. Phrase in Fachkorpora

Résumé : Im Mittelpunkt des Beitrags, der an der Schnittstelle zwischen Wortbildung, Phraseologie und Terminologie anzusiedeln ist, steht die Frage nach dem morphologischen bzw. syntaktischen Status bestimmter terminologisch relevanter Oppositionspaare des Typs A + N bzw. N + N, wie in (1) und (2):(1)Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Länder mit vielen innovativen Unternehmens-gründungen ein vergleichsweise hohes wirtschaftliches Wachstum haben. (Inter-netbeleg, 31.8.2010)(2)Man könnte annehmen, ein hohes Wirtschaftswachstum wäre gut für uns alle, ein nied-riges eben schlecht. (Internetbeleg, 31.8.2010)Solche Einheiten werfen auf die immer wieder diskutierte Frage der Polylexikalität als phra-seologisches Definitionskriterium ein neues Licht und scheinen uns aus mindestens vier Gründen für die Problematik des Kongresses von besonderer Bedeutung:•Aus terminologischer Perspektive: die Grenze zwischen Phraseologie und Terminolo-gie wird immer fließender. Während lange Zeit vor allem die Benennungsfunktion und gegebenenfalls die nicht-kompositionelle Bedeutung diskutiert wurden, so wird nun vor allem auf Parallelen bei den anderen zwei traditionellen Definitionskriterien von Phrasemen, nämlich Polylexikalität und Fixiertheit, fokussiert. •Aus phraseologischer Perspektive: Wenn Polylexikalität lange Zeit als phraseologi-sches Definitionskriterium par excellence betrachtet wurde, so wird sie heute, nicht zuletzt durch die Rechtschreibreformen immer mehr relativiert. Wenn diese Frage bei verbalen Einheiten eingehend diskutiert wurde (vgl. Fuhrhop 2007 , Poitou 2007), ist dies bei nominalen Einheiten nicht der Fall. Dieses Forschungsdefizit lässt sich z.T. dadurch erklären, dass die hier angeschnittene Problematik der Fachsprachen- bzw. Terminologieforschung überlassen wurde.•Aus linguistisch-theoretischer Perspektive: sind solche Einheiten als zusätzlicher Typ diskontinuierlicher Komposita anzusehen, zum Beispiel neben den zwei in Barz (2000) anerkannten Typen: entlehnte komplexe Substantive (Soft Drink) und nicht ent-lehnte Marken-, Firmen- und Produktnamen (Direkt Anlage Bank)? Wenn diese Frage schon bei Termini wie einfaches Gesetz vs. Verfassungsgesetz gerechtfertigt zu sein scheint, ist sie bei Alternativfällen, wie in den Beispielen (1) und (2), noch relevanter: Wie ist die Struktur A + N zu behandeln? Was motiviert die Wahl der einen oder an-deren Variante? Spielt die Sprachentwicklung innerhalb eines bestimmten Faches eine Rolle? Welche Rolle kommt dabei dem adjektivischen Merkmal [±klassifizierend] zu? •Aus kontrastiver Perspektive: auch wenn die Untersuchung sich auf das Deutsche be-schränkt, kann Heine (2010: 11) nur zugestimmt werden, wenn sie von einem „[nöti-gen] Blick über den Tellerrand des Deutschen“ spricht. Das Sprachenpaar deutsch-französisch ist in dieser Hinsicht besonders relevant (Gross 1996) und systematische kontrastive Untersuchungen würden wohl zu einer Klärung des Problemkreises beitra-gen.Ziel des Beitrags wird es also sein, auf Grund eines DIY-Fachkorpus aus wirtschaftlichen und juristischen Texten solche Alternativfälle quantitativ und qualitativ unter diesen vier Ge-sichtspunkten zu untersuchen, um den Status dieser Strukturen zwischen Wort und syntakti-scher Fügung näher zu bestimmen.Zitierte LiteraturFuhrhop, Nanna (2007). „Verbale Komposition: Sind brustschwimmen und radfahren Komposita?“ In: Kauf-fer/Métrich (Hrsg.), 49-58.Gross, Gaston (1996). Les expressions figées en français, noms composés et autres locutions (= L’essentiel français), Paris/Gap: Ophrys.Heine, Antje (2010). „Wie viel Polylexikalität braucht ein Phraseologismus?“ In: Korho-nen/Mieder/Pirrainen/Piñel (Hrsg.), 11-18.Kauffer, Maurice/Métrich, René, Hrsg. (2007). Verbale Wortbildung im Spannungsfeld zwischen Wortsemantik, Syntax und Rechtschreibung (= Eurogermanistik 29), Tübingen: Stauffenburg.Korhonen, Jarmo/Mieder, Wolfgang/Piirainen, Elisabeth/Piñel, Rosa, Hrsg (2010). Europhras 2008. Beiträge zur internationalen Phraseologiekonferenz vom 13.–16.8.2008 in Helsinki. Helsinki : Universiät Helsinki, Institut für moderne Sprachen, Germanistik.Piirainen, Ilop Tapani (2010). „Das Rad zurückdrehen. Auswirkungen der ‚Reform der Reform’ (2006) auf die Rechtschreibung deutscher Idiome.“ In: Korhonen/Mieder/Pirrainen/Piñel (Hrsg.), 28-33.Poitou, Jacques (2007). „Komposition und Derivation vs. Inkorporation.“ In: Kauffer/Métrich (Hrsg.), 1-12.
Document type :
Conference papers
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https://halshs.archives-ouvertes.fr/halshs-01499826
Contributor : Laurent Gautier <>
Submitted on : Friday, March 31, 2017 - 11:58:50 PM
Last modification on : Tuesday, May 7, 2019 - 10:38:33 AM

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  • HAL Id : halshs-01499826, version 1

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Citation

Laurent Gautier. Diskontinuierliche Komposita aus terminologischer Sicht: Wort vs. Phrase in Fachkorpora. PreForLex Conference, Université Lyon III, Mar 2017, Lyon, France. ⟨halshs-01499826⟩

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