| Ausgehend von einem vierdimensionalen, unter Rückgriff auf postcolonial studies und global history entwickelten Eurozentrismus-Begriff verfolgt der Text Marx' Auseinandersetzung mit nicht-westlichen Gesellschaften durch sein ganzes Werk. Die Indien-Artikel von 1853 erweisen sich als in jeglicher Hinsicht eurozentrisch. Sie stützen sich u.a. auf einen Reisebericht François Berniers, der als Quelle von Marx eine genauere Untersuchung erfährt. Während Marx' Auseinandersetzung mit der indischen Revolte von 1857-59 ebenfalls noch von Eurozentrismus zeugt, finden sich in den Schriften zum englischen Kolonialismus in Irland erste Differenzierungen. In der Kritik der politischen Ökonomie dagegen wimmelt es noch von orientalistischen Motiven. Anders in Marx' Spätwerk, wo sich in den Exzerpten ab 1879 und der Diskussion mit den russischen Sozialrevolutionären ein Bruch mit dem Eurozentrismus profiliert. Die Entwicklung von Marx' Denken zeigt, dass dessen oftmals vorschnelles Verwerfen in den postcolonial studies fahrlässig ist. Gleichzeitig muss die Marx-Debatte von postcolonial studies lernen, wenn es darum geht, globalen Kapitalismus, historischen Fortschritt und kontingente Entwicklung zu denken. |